NO IDEA

Es gibt Schlimmeres. Ich verbringe schon mein halbes Leben in Haithabu. Nie gehört?

Vor 14 Tagen wurden wir hier angespült. An viel kann ich mich nicht erinnern. Von meiner Zwillingsschwester weit und breit keine Spur. Kurze Fragmente aus längst vergangen Tagen ziehen des Nachts an meinen Augen vorbei. Fernsehberichte über eine Hitzewelle in Ada Rocks, ein Schwimmingpool, ein Mann mit buschigem Bart in einem weißen Kittel eilig über ein buntes T-Shirt gezogen, unser Kistchen, eine harte Landung und ein Flieger zerschellt auf den Wogen der brausenden, stürmischen ansonsten auch schon rauen See.

Ich sprang in unser Kistchen und trieb ab. Meine Zwillingsschwester klammerte sich an einem Blumenkranz, konnte das sichere Kästchen jedoch nicht mehr erreichen. Ein Kranz ähnlich jenem eines der Fluggäste in weißem Anzug. Der Fluggast wurde später mittels selbst entwickelter AI Software des Nachrichtendienstes auf diesem Video wiedererkannt. Die zuständige Ministerin wurde daraufhin als Präsidentin des EU Komission vorgeschlagen. Egal.

Als ich in weiter Ferne die Küste erblickte war es bereits finstere Nacht und versank tief im Land der Träume.

Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten auf der Nase. War ich bereits gestrandet? Neben mir lag ein Reisedokument. Hatte gar keine Ahnung, dass ich ein solches mit mir führte. Der Name war verwischt. Das Bild war gut zu erkennen. Package County stand daneben, aber ansonsten das seltsame Dokument kaum zu entziffern.

So trieb ich nun entlang der Küste und keine Chance an Land zu kommen. Das Wasser war viel zu tief. Stimmen aus der Ferne. Rettung naht. Fröhliche Musikanten gingen den Strand entlang und gaben Seemannslieder zum Besten. Einer von ihnen hob mich auf, drehte sich zu den anderen und sagte, ‘Schaut her. Ein Hoppelchen aus dem Kistchen. Noch dazu hier bei uns am Strand’. Sie nannten mich Bunny Bourne, vermutlich ob des Laserpointers der neben mir im Kistchen, welches in gut informierten Kreisen auch die Büchse der Pandora genannt wird, auf und ab rollte.

Sie brachten mich zu Tante Astrid. Ich heiße jetzt Hoppy Package. Internationaler Flair umgarnt nun meine Aura. Tante Astrid verpasste mir Roller Skates, einen Helm aus dem nahe gelegenen Museum, einen blauen Rucksack und einen Twitter Account. Auch Häschen gehen mit der Zeit, sagt sie.

Die Erinnerung kehrte langsam zurück. Etwas ist doch seltsam hier. Bei uns wohnen Menschen in Häuschen nahe der Küste und am Abend geht es ab ins All-Inn. Die Menschen hier wohnen direkt in der Hafenkneipe. Glaubt ihr nicht! Glaubt keiner. Wo bin ich da bloß gelandet?

In der Zwischenzeit wurde auch mein Schwesterherz aus der Kneipe torkelnd aufgegriffen. Sie beteuerte zwar über einen der vielen verstreut liegenden Beacons gestolpert zu sein und sei hernach mit ausgestreckter Zunge im Gerstensaft gelandet. Wer’s glaubt.

Gerade mal einen guten Monat alt und schon so durstig. Wird wohl am Meerwasser und dem Salz in der Luft liegen. Übrigens. Sie wird Hippy genannt, wohl ob des Blumenkranzes neben dem sie am Strand völlig erschöpft gefunden wurde.

Mit den Tagen begann sich die Lage zuzuspitzen. Bald würde der Herbst ins Land ziehen und mit ihm beginnt die Hasenjagd. Für die Menschen hier wird sich die Lage mit den Jahren wohl auch nicht besser ausnehmen. Tante Astrid ist bereits verschwunden. Zuerst holen sie sich die PCs und Macs oder die wenig verbliebenen geben mit der Zeit ihren Geist auf, schon währenddessen verteilen sie Smartphones an alle. Lest die Zeichen an der Wand. Zeit das Weite zu suchen.

Welch ein Glück, dass wir uns in weiser Voraussicht bereits zwei neue Identitäten zugelegt haben. Wir schlossen uns einer Gruppe Pascal Programmierer an und sind jetzt auf großer Fahrt zurück in Richtung Ada Rocks, dort wo die Freiheit auf uns wartet. Wohl aber bleibt der Weg bleibt ein weiter. Wo ist Hippy abgeblieben? Ach dort drüben.

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